Unternehmertum – Das Süppchen löffeln wir gemeinsam aus!

Suppe gemeinsam auslöffeln | Quelle: Taylor Kiser, Unsplash

Bei Method Park gibt es acht Prinzipien, wie wir uns im Arbeitsalltag verhalten und miteinander umgehen wollen. Damit jeder Mitarbeiter diese Prinzipien kennt, stehen diese z.B. auf unseren Notizzettelboxen, die fast jeder auf dem Schreibtisch stehen hat. Trotzdem stellt sich natürlich immer die Frage, was so ein Prinzip eigentlich genau bedeutet. Auch wenn die Grundidee eines Prinzips wie „Balance“ vielleicht klar ist, gibt es dennoch einen großen Interpretationsspielraum. Hinzu kommt, dass sich eine Bedeutung auch weiter entwickeln kann.

Um allen Mitarbeitern die Chance zu geben, die Prinzipien zu verstehen und an der aktuellen Interpretation mitzugestalten, steht bei uns jedes Jahr unter einem dieser acht Prinzipien.

Dieses Jahr ist es das Prinzip „Unternehmertum“.

Okay zugegeben, das Prinzip klingt ein wenig hölzern, aber in einem mittelständischen Unternehmen kommt es einfach auf jeden Einzelnen an. Das macht alle Mitarbeiter irgendwie zu „kleinen Unternehmern“.

Um das Thema allen Mitarbeitern nahe zu bringen, hat unser MIT (das Method Park Insights Team) Herrn Klaus Kobjoll als Referenten eingeladen. Klaus Kobjoll könnte dem Ein oder Anderen vielleicht hier in der Region bekannt sein, denn er ist der Gründer des Schindlerhofs und damit seit über 30 Jahren extrem erfolgreich.

Eins vorweg: Klaus Kobjoll polarisiert! Ich bin der Meinung, dass der Erfolg ihm Recht gibt, aber man kann die Gastronomie und die Hotellerie nicht eins zu eins auf ein IT-Unternehmen übertragen.

Nachdem uns Herr Kobjoll in seinem 60 minütigen Vortrag ein Consommé Double seiner Ideen, Werte und Visionen präsentiert hat, versuche ich das Ganze auf die Essenz zu beschränken und gönne mir daher den Begriff Consommé Quadrouble. Wie bei einem guten Filterkaffee, lasse ich auch das trübe Beiwerk und die Bitterstoffe weg.

Na dann nehmen wir uns dem Süppchen mal an.

Zuerst die Optik: Schauen wir uns an, was einen Unternehmer auszeichnet

Herr Kobjoll definiert hierfür fünf Hauptaufgaben eines Unternehmers:

  1. Finden und beschreiben der lang-, mittel- und kurzfristigen Unternehmensziele.
  2. Ökonomische Führung des Unternehmens in der Weise, dass die gesetzten Ziele mit dem geringsten Aufwand erreicht werden.
  3. Mitarbeiter auswählen, führen und wertschätzen.
  4. Controlling im operativen wie strategischen Bereich.
  5. Schaffung und Pflege wertvoller Kontakte.

Bei Punkt 1 ist der entscheidende Faktor die Uniqueness. Der BWLer spricht vom Unique Selling Point. Also was macht Dein Unternehmen so einzigartig, dass die Kunden zu Dir und nicht zu einem X-beliebigen Marktbegleiter gehen. In der Dienstleistungsbranche muss klar sein, dass dies die Mitarbeiter sind.

Das Einzige, was nicht kopierbar ist, sind die Beziehungen eines Unternehmens zu seinen Mitarbeitern und die Beziehungen der Mitarbeiter zu ihren Kunden! (Klaus Kobjoll)

Ein schwieriges Thema ist Punkt 3. Zum einen gibt es das Problem, dass es einfach zu wenige Bewerber für die Anzahl der offenen Stellen gibt, und zum anderen muss man ja auch noch die richtigen Leute einstellen.

Nach dem „Engagement Index 2016“ von Gallup haben lediglich 15% der Mitarbeitenden eine hohe emotionale Bindung zu ihrem Unternehmen. 70% haben eine geringe emotionale Bindung (machen also Dienst nach Vorschrift) und die restlichen 15% haben bereits innerlich gekündigt. Ziel muss es demnach sein, Personal zu finden, das der kleinen Gruppe mit hoher emotionaler Bindung angehört.

Wenn man dann das große Glück hat, die richtigen Leute gefunden zu haben, müssen diese auch bei Laune gehalten werden.

Anschließend der Geschmack: Wie motiviere ich meine Mitarbeiter

Douglas Mc Gregor hat dazu folgendes formuliert:

Menschen sind entweder bestrebt Arbeitsaufwand zu vermeiden, sind grundsätzlich träge und faul, erwarten Belohnung bzw. Bestrafung. (= Motivierung)
oder …
suchen die Verantwortung, haben Interesse an einer sinnvollen Betätigung und lieben den Leistungswettbewerb. (= Motivation)

Was steigert oder erzeugt die Motivation der Mitarbeiter?

    1. Mitarbeiter benötigen Ziele!

      Ein Ziel zu haben ist die größte Triebkraft im Leben eines Menschen. (Viktor Emil Frankl)

      Ein Ziel muss so gewählt werden, dass es erreichbar ist, aber dennoch eine Herausforderung darstellt; der Mitarbeiter muss sich mit dem Ziel identifizieren und die Herausforderung annehmen.

    2. Mitarbeiter müssen sich für die Ziele begeistern!

      Vergiss die Leute, die Dir erzählen, dass es nicht funktionieren kann, und hol Dir diejenigen, die sich für Deine Ideen begeistern. (Michael Dell)

      Dazu gehört auch Fehler machen zu dürfen. Fehler sollten belohnt werden, denn nur, wer Fehler macht, kann aus ihnen lernen. Fehler machen bedeutet auch, sich aus der eigenen Komfortzone herauszuwagen, die Herausforderung anzunehmen und daran zu wachsen.

    3. Etabliere Rituale der Wertschätzung und teambildende Maßnahmen!

      Die Stimmung in einem Unternehmen ist wichtiger als jedes Wissen oder Kapital!
      (Helmut Weyh)

      Vorsicht – nicht mit Incentives verwechseln. Nachweislich ist das Glücksgefühl von Incentives nur von sehr, sehr kurzer Dauer.
      Okay – aber was sind dann Rituale der Wertschätzung und teambildende Maßnahmen?
      Ein paar Beispiele:
      * Anruf zum Geburtstag
      * Urlaubsbrief
      * Präsent bei x Jahren Firmenzugehörigkeit
      * Lernen von Profis (in der Gastronomie z.B. bekannte TV- und Sterneköche)
      * Outdoor Teambildung im Klettergarten oder beim Kanufahren/Rafting

    4. Ermögliche es den Mitarbeitern am Unternehmen mitzuwirken!

      Ich kenne kein Unternehmen, das die Mitbestimmung pflegt, das am Markt nicht erfolgreich gewesen wäre. (Hans Wilhelm Gäb)

      Eine offene Kommunikations- und Feedbackkultur hilft „Problemchen“ schnell und unbürokratisch aus dem Weg zu schaffen. Verbesserungsideen sollten transparent gesammelt, diskutiert und entschieden werden. Gerade Mitarbeiter mit hoher emotionaler Bindung zum Unternehmen, werden sich um Ihren Arbeitsplatz und Ihre Tätigkeit Gedanken machen und zu einer stetigen Verbesserung beitragen – wenn man sie lässt!

    5. Schaffe ein Arbeitsumfeld, das es den Mitarbeitern ermöglicht, ihre Arbeit effektiv und effizient zu erledigen!

      Verheizte Mitarbeiter geben keine Wärme! (Klaus Kobjoll)

      Jeder Mitarbeiter benötigt ein, für seine Tätigkeit und seinen Aufgabenbereich angemessenes Arbeitsumfeld. Passen die Atmosphäre und die Ausstattung, liegt es nur noch am Mitarbeiter das Beste daraus zu machen.

Und der Abgang: Was zeichnet eigentlich eine gute Führungskraft aus?

Führung ist mehr als Management!

Wir kennen ganz klassisch den Vorgesetzten (den lassen wir bitte in der Schublade) bzw. die Führungskraft. Der englische Sprachraum unterscheidet zwischen Manager und Leader.

Manager Leader
praktisch visionär
vernünftig experimentell
Entscheidung Option
analytisch intuitiv
kontrolliert spontan
ordentlich chaotisch
mit guten Manieren leidenschaftlich
konsequent unberechenbar
erarbeiten erschaffen
Wissen Erkenntnis
Systeme Menschen

Wenn man sich die Eigenschaften dieser beiden Rollen anschaut, ist das eigentlich ganz vernünftig und man erkennt schnell, dass es kaum eine Person gibt, die beide Rollen wahrnehmen kann. Trotzdem ist beides für das Unternehmen wichtig. Prominente Beispiele für Leader sind vielleicht Steve Jobs oder Mark Zuckerberg. Personen, die ihr Unternehmen zweifelsfrei unglaublich weit vorangebracht haben, trotzdem kenne ich niemanden, der sagt, er hätte einen von den beiden gerne als Chef. Mitarbeiter wollen sich auch auf ihre Führungskraft verlassen können oder bei wichtigen Entscheidungen eine klare und vernünftige Aussage bekommen.

Als Führungskraft/Unternehmer arbeitet man nicht im Unternehmen, sondern man arbeitet am Unternehmen.

Nachdem ein Unternehmen nichts weiter ist als die Summe der Mitarbeiter, ist das Ziel jeder Führungskraft eigentlich ganz klar:

Hilf Menschen, zu wachsen! (Klaus Kobjoll)

Persönliche Meinung

Wie ich eingangs schon erwähnt habe, ist Herr Kobjoll und damit auch sein Vortrag polarisierend. Ich aber bin der Meinung, dass trotzdem viel Gutes enthalten ist. Natürlich darf man sich nicht an dem ein oder anderen Punkt aufhängen, sonst macht der ganze Vortrag keinen Spaß mehr. Eines muss man ihm aber lassen, selbst Tage nach dem Workshop, ist der Vortrag und Herr Kobjoll selbst immer noch Gesprächsthema in der Pause oder an der Kaffeemaschine – Ziel erreicht!

Bewerbungsgespräche an Sonn- und/oder Feiertagen werden wir uns aber trotzdem verkneifen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.